Über die Zuverlässigkeit der Informationen in AI-Eilaktionen

Eine Stellungnahme zu Problemen beim Versand von Petitionsbriefen


"Die unter den von AI publizierten Angaben versandten Faxbriefe oder E-Mails erreichen oftmals nicht den gewünschten Empfänger. Warum verbreitet AI falsche Faxnummern oder Adressen?"

Immer wieder wird die Vermutung geäußert, Faxnummern oder E-Mail-Adressen wären falsch. Dazu muss festgehalten werden, dass eine falsche Information selbstverständlich immer möglich ist, schon allein durch Tippfehler der ÜbermittlerInnen. In aller Regel sind fehlerhafte Angaben aber die Ausnahme.

Die Daten stammen von der Urgent-Action-Abteilung der Bonner AI-Sektion, die sie wiederum von der Londoner AI-Zentrale übernimmt. Die dortigen MitarbeiterInnen erfahren sie über die nationalen AI-Sektionen oder direkt von engagierten MenschenrechtlerInnen vor Ort. Vor der Herausgabe einer "Urgent Action" werden alle Faxnummern und E-Mail-Adressen in London sorgfältig geprüft. Da Urgent Actions weltweite Aktionen sind, gehen bei den Empfängern dann aus aller Welt Appelle ein. Natürlich versuchen die Empfänger in der Folge einiges, um diese Appelle abzuwehren. Entweder sie leiten die E-Mails um, stellen ihr Konto um oder finden andere Wege, um die Fülle der E-Mails abzuwehren, Faxe werden auf Telefon oder tote Leitungen umgeleitet etc. Auf der einen Seite haben wir damit schon ein positives Signal gesetzt, weil bereits so viele Appelle eingegangen sind, dass die Empfänger genervt sind, auf der anderen Seite ist es natürlich frustrierend für die Schreiberinnen und Schreiber, wenn Faxe und E-Mails nicht zum Empfänger gelangen.

Wir alle müssen auf die Zuverlässigkeit der Informationen vertrauen, was ja nicht nur die Faxnummern bzw. E-Mail-Adressen betrifft, sondern vor allem den Wahrheitsgehalt der Menschenrechtsverletzungen, über die uns berichtet wird. Es ist mir leider absolut unmöglich, diese Informationen zu überprüfen, sondern ich muss mich hundertprozentig darauf verlassen.

Manchmal erreichen uns Proteste der Angeschriebenen, z.B. über deren Botschaften, in denen die Tatsachen schlichtweg bestritten werden. Aber ich kann Ihnen mitteilen, dass ich mich angesichts meiner über 20-jährigen AI-Mitgliedschaft an keinen einzigen Fall erinnern kann, in dem die AI-Angaben nicht zutreffend waren, jedenfalls im Kern; es wird ja oftmals - bei unsicheren Quellen - sehr vorsichtig formuliert! Und schließlich: Wer massiv Menschenrechte verletzt, unter Umständen sogar Kapitalverbrechen begeht oder diese deckt, wird auch vor Verdrehungen der Tatsachen oder Lügen nicht zurückschrecken. Insofern vertraue ich lieber AI als solchen Leuten.

Wenn der Versand nicht klappt, kann das auch an Problemen auf dem langen Übertragungsweg liegen oder an dem unzulänglichen Fernmeldenetz im Empfängerland selbst. Letzteres trifft zum Beispiel besonders auf Kolumbien zu. Bedenken Sie bitte, wieviel Zwischenstationen reibungslos funktionieren müssen, um z.B. in entlegene Regionen von Indonesien zu faxen! Die Analogverbindungen per Telefon sind gegen Störungen relativ unempfindlich. Das sieht aber ganz anders aus, wenn die Faxgeräte sich abstimmen sollen. Man muss auch damit rechnen, dass Länder der Dritten Welt alte, möglicherweise bereits inkompatible Faxgeräte benutzen. Bestimmte Länder akzeptieren ausschließlich Faxverbindungen mit der Deutschen Telekom (Beispiel: Ägypten); probieren Sie also, vor der Faxnummer 01033 zu wählen! Weitere Gründe können sein: die Zeitverschiebung; die Geräte werden oftmals abgeschaltet, wenn es am Zielort Nacht ist. Oder Feiertage: Bekanntlich entspricht im Islam der Freitag unserem Sonntag; in Israel wird samstags nicht gearbeitet. Manchmal handelt es sich um kombinierte Telefon-/Fax-Geräte und die angefaxten BedienerInnen schaffen es einfach nicht, auf Faxempfang umzuschalten, d.h. die Starttaste zu drücken, wenn sie das typische Faxsignal hören; es kann einem auch passieren, dass Kinder am Apparat sind! Für solche Fälle fügt AI der Nummer manchmal einen entsprechenden Aufforderungstext bei, z.B. "Por favor, me da tono de fax", aber es ist i.a. unnötig, ihn zu verwenden. Das Faxgerät kann auch gerade schlicht und einfach anderweitig belegt sein, zum Beispiel in umtriebigen Präsidialbüros, besonders, wenn es dort die einzige stolze Errungenschaft dieser Art ist. Immerhin, ich habe schon  nach Nepal und Burundi (Zentralafrika) gefaxt, ohne dass es Probleme gab, und war darüber angenehm überrascht. Jedenfalls gibt es jede Menge plausibler Gründe, warum eine Verbindung nicht zustandekommt.

Übrigens bedeutet die Ansage der Deutschen Telekom: "Kein Anschluss unter dieser Nummer" keineswegs in jedem Fall, dass die Nummer falsch ist, sondern nur, dass - aus welchen Gründen auch immer - keine Verbindung aufgebaut werden konnte.


"Welche Möglichkeiten gibt es, Petitionen trotz Übermittlungsproblemen zu verschicken?"

Leider nur wenige. Wenn mehrere Faxnummern angegeben sind, probieren Sie es bitte mit einer anderen. Manchmal hilft ein erneuter Sendeversuch mit derselben Nummer; dafür sind diejenigen Faxgeräte besonders geeignet, die bei Fehlverbindungen mehrfach und automatisch eine erneute Anwahl versuchen. Sie können auch probieren, den Brief durch "call by call" über eine andere Telefongesellschaft zu verschicken; dabei werden unter Umständen andere Übertragungswege benutzt. Bei schlechter Leitungsqualität kann es eventuell helfen, die Übertragungsgeschwindigkeit zu reduzieren, z.B. von 9600 bps auf 4800 bps. Wenn der Faxversand absolut nicht klappt, bleibt nur der Versand auf dem Postweg, am besten per Luftpost, weil der Brief sonst unter Umständen wochenlang unterwegs ist.


"Bei der Vielzahl von Petitionen ist es nicht jedem Teilnehmer finanziell zumutbar, alle Appelle als Luftpostbriefe zu verschicken."

Das wird auch überhaupt nicht erwartet! Jede und jeder entscheidet selber, wieviel Post sie bzw. er verschickt. AI ist für jedes Engagement dankbar, auch das kleinste. Es stimmt schon, wer bei AI mitmacht, muss eine gewisse Bereitschaft zum Einsatz finanzieller Mittel und übrigens auch eine hohe Toleranzschwelle gegenüber Frustrationen besitzen. Aber man wird doch immer wieder entschädigt durch positive Meldungen, z.B. über die Verbesserung von Haftbedingungen, die erreicht werden konnte.

Etwaige Meldungen über eindeutig falsche Informationen richten Sie aus dem oben genannten Grund bitte nicht an mich, sondern an die UA-Abteilung von AI in Bonn:

  Amnesty International, = UA-Abteilung =, Postfach, 53108 Bonn
Tel.       0228 - 9 83 73 - 310   oder   - 311       Fax   0228 - 63 00 36
Email    ua-de@amnesty.de

Verzichten Sie bitte auf eine Meldung, wenn Sie lediglich Zweifel an der Richtigkeit von Faxnummern oder E-Mail-Adressen haben. Zwar kann ich die Quote erfolgreicher Datenübertragungen leider nicht steigern, aber ich hoffe, dass ich Ihnen das doch etwas begründen konnte, und danke Ihnen vielmals für Ihr Engagement!

  2009-01-13 Wolfgang Gruhn